Jeder weiß, dass der RG28 ein Panzer ist. Er läuft und läuft. Aber war das von Anfang an so?
Ich bin tief in die Archive gestiegen. Ich habe hunderte Seiten vergilbter Protokolle aus dem Staatsarchiv Meiningen gewälzt. Was ich dort gefunden habe, zerstört den Mythos der "perfekten DDR-Planung" – und zeigt gleichzeitig, warum wir heute überhaupt noch Ersatzteile für dieses Gerät haben.
Der Schock-Bericht vom April 1976
Wir schreiben das Jahr 1976. Der RG28 soll den Vorgänger ablösen. Das Ziel: Das begehrte Gütezeichen "Q" (für ausgezeichnete Qualität/Weltmarktniveau).
Aber ein interner Kontrollbericht aus dem Werkteil Zella-Mehlis, der mir vorliegt, zeichnet ein Bild des Grauens. Die Prüfer schrieben knallhart: "Der gegenwärtige Stand... zeigt keine Voraussetzungen, das Gütezeichen 'Q' zu erreichen."
Was war los?
-
Blindflug: An den Arbeitsplätzen fehlten die Zeichnungen. Die Arbeiter wussten teilweise gar nicht, welche Toleranzen gelten.
-
Pfusch: Statt offizieller Messwerkzeuge nutzten Arbeiter "selbstangefertigte Lehren" (im Fachjargon: "Schwarze Lehren").
-
Chaos: Hochpräzise Getriebeteile wurden als "Schüttgut" behandelt, lagen dreckig in Kisten und wurden beim Transport beschädigt.
Warum das für dich heute eine GUTE Nachricht ist
Vielleicht denkst du jetzt: "Oje, dann ist mein Mixer also Schrott?"
Nein. Genau das Gegenteil ist der Fall.
Dieser Bericht von 1976 war der Weckruf. In der heutigen Wirtschaft würde man sagen: "Egal, verpackt es, der Kunde merkt das erst nach der Garantie."
Aber im VEB Elektrogerätewerk Suhl passierte etwas, das wir heute vermissen: Es wurde durchgegriffen.
Die Akten zeigen, wie in den Folgemonaten jeder einzelne Prozess korrigiert wurde.
-
Es wurden neue "Arbeitsplatzunterweisungen" erzwungen.
-
Das "Tempern" (Härten) der Polyamid-Zahnräder wurde streng überwacht (bei exakt 145°C, wie die Zeichnungen belegen), damit sie 40 Jahre halten.
-
Der Export in den Westen (in den Akten als "NSW" bezeichnet, z.B. nach Frankreich, Belgien und in die BRD) wurde zur treibenden Kraft für Qualität. Man konnte sich im Westen keine Blamage leisten.
Fazit: Qualität durch Disziplin
Der RG28 ist nicht unzerstörbar, weil die DDR zaubern konnte. Er ist unzerstörbar, weil Fehler benannt und behoben wurden, statt sie zu vertuschen.
Wenn du heute einen RG28 in der Hand hältst, spürst du das Ergebnis dieses Kampfes um das "Q". Und wenn doch mal ein Teil nach 40 Jahren den Geist aufgibt? Dann liegt das meistens nicht an der Konstruktion, sondern an 4 Jahrzehnten harter Arbeit.
Genau dafür habe ich die passenden Ersatzteile. Damit die Arbeit der Ingenieure von damals nicht umsonst war.



