Undercover im Westen: Warum dein „Privileg“ Mixer eigentlich ein RG28 ist (Der Beweis aus den Akten)

Undercover im Westen: Warum dein „Privileg“ Mixer eigentlich ein RG28 ist (Der Beweis aus den Akten)

Es gibt dieses hartnäckige Vorurteil: „DDR-Technik? Das war doch alles Mangelwirtschaft. Die hatten doch nichts.“

Wenn das stimmt, muss ich eine Frage stellen: Warum haben dann Frankreich, Belgien, die Niederlande, Österreich und die Bundesrepublik Deutschland massenhaft DDR-Mixer importiert?

Ich habe in den Tiefen des Staatsarchivs Meiningen gewühlt und Originalunterlagen aus dem Jahr 1976 ausgegraben. Was ich dort schwarz auf weiß gefunden habe, beendet die Diskussion über „Ost-Schrott“ endgültig.

Der RG28 war kein reines „Ost-Produkt“. Er war ein Devisen-Star, der im Westen nur unter falschem Namen auftrat.

Das Geheimnis der „Konsole Expert – neutral“

In den Konstruktionszeichnungen von 1976 bin ich auf ein Detail gestoßen, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, aber alles verrät.

Es gibt eine technische Zeichnung für ein Bauteil mit der Bezeichnung: „Konsole Expert – neutral“.

Was bedeutet das? Normalerweise prangte auf dem RG28 das Logo von AKA Electric. Doch für den Export ins „NSW“ (Nicht-Sozialistisches Wirtschaftsgebiet) wurde der Mixer „nackt“ produziert. Er wurde als sogenanntes „White-Label-Produkt“ gefertigt. Westliche Versandhäuser – allen voran Quelle – kauften die Geräte containerweise, klebten ihr eigenes Logo drauf (z.B. „Privileg“) und verkauften sie als hochwertige Markenware an westdeutsche Hausfrauen und Hausmänner.

Die Fakten: Wohin der RG28 wirklich ging

Die Export-Tabelle aus dem Jahr 1976, die mir vorliegt, liest sich nicht wie die Lieferliste eines abgeschotteten Staates. Sie zeigt Lieferziele mitten in den kapitalistischen Westen:

  • BRD: Der Hauptabnehmer (über Quelle/Privileg).

  • Frankreich: Auch hier wurde gerührt.

  • Niederlande & Belgien: Der RG28 im Benelux-Einsatz.

  • Österreich: Export in die Alpenrepublik.

Warum das für dich heute wichtig ist

Warum erzähle ich dir das? Um in Nostalgie zu schwelgen? Nein.

Es ist der ultimative Qualitätsbeweis.

Der westliche Markt war in den 70ern hart umkämpft. Ein Versandhaus wie Quelle hätte niemals einen Mixer ins Sortiment genommen, der die strengen westdeutschen VDE-Normen nicht erfüllt oder der nach drei Wochen kaputtgeht. Das hätte Reklamationen gehagelt.

Dass der RG28 (alias Privileg) im Westen erfolgreich war, beweist drei Dinge:

  1. Sicherheit: Er entsprach schon 1976 höchsten westlichen Sicherheitsstandards.

  2. Leistung: Er konnte mit westlichen Konkurrenzprodukten (Braun, Krups) mithalten.

  3. Preis-Leistung: Er war so effizient gefertigt, dass er trotz Transport und Marge im Westen konkurrenzfähig war.

Schau mal unter den Mixer deiner Oma

Wenn du im Westen aufgewachsen bist und deine Oma einen alten, unkaputtbaren Handmixer von „Privileg“ im Schrank hat: Dreh ihn mal um. Oft findest du dort „Made in GDR“ oder spezifische Typennummern, die ihn als RG28 enttarnen.

Es ist egal, ob AKA oder Privileg draufsteht. Drinnen steckt immer die gleiche, unverwüstliche Technik aus Suhl. Und genau für diese Technik – egal welches Label draufklebt – sorge ich dafür, dass sie auch die nächsten 50 Jahre läuft.

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